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21.08.2025 Orthopädie und Unfallchirurgie

Dr. Wegmann ist Mannschaftsarzt der U19-Handballweltmeister

Große Freude über den Triumph in Kairo

Die deutschen U19-Handballer haben am Sonntagabend im Finale gegen Spanien nach Siebenmeterwerfen mit 41:40 gewonnen und werden in Kairo erstmals Weltmeister. Mittendrin feiert auch Dr. Sebastian Wegmann, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Uniklinik Köln. Wir haben den Mannschaftsarzt zur Arbeit mit dem Team und dem großen Erfolg befragt.

Wie haben Sie den Weltmeistertitel mit der U19-Handballnationalmannschaft erlebt – was war Ihr persönlicher Höhepunkt?

Die zwei Wochen mit der Mannschaft und der Gewinn der Weltmeisterschaft sind ein unvergessliches Erlebnis – sowohl sportlich als auch menschlich. Besonders beeindruckend war der Teamgeist der Spieler und des Staffs. Mein persönliches Highlight war sicherlich das spannende Finale gegen Spanien mit doppelter Nachspielzeit und der Entscheidung im 7-Meter Werfen, das an Spannung nicht zu überbieten war. 

Welche Aufgaben haben Sie als betreuender Arzt während der WM übernommen?

Als betreuender Arzt war ich für die medizinische Versorgung der Spieler verantwortlich. Dazu gehören die Akutversorgung von Verletzungen während des Spiels, tägliche Kontrollen des Gesundheitszustandes, individuelle Präventionsmaßnahmen sowie eine enge Abstimmung mit den Physiotherapeuten und Trainern zur Belastungssteuerung. 

Seit wann sind Sie Arzt beim Team und spielen Sie selber Handball?

Ich bin seit mittlerweile drei Jahren Mannschaftsarzt des Deutschen Handballbundes (DHB). Da ich selber Leistungssport betrieben habe, hilft es mir, mich in die Situation der Spieler reinzuversetzen und somit auch in der Therapie für die Spieler gangbare Konzepte zu erstellen. Handball habe ich selber nicht gespielt, jedoch war mein Vater Handballtrainer und mein Patenonkel Handballnationalspieler. 

Mit welchen typischen Verletzungen oder Belastungen haben Sie es im Handballalltag zu tun?

Beim Handball sind die häufigsten Verletzungen Probleme mit den Sprung- und Kniegelenken, die eine hohe Belastung haben aufgrund der schnellen Richtungswechsel. Hinzu kommen Muskelverletzungen und Überbelastungsbeschwerden der Schulter, des Ellenbogens und der Wirbelsäule. Aber auch akut-traumatologische Verletzungen wie Gehirnerschütterungen oder Nasenbeinbrüche kommen vor. 

Gab es besondere medizinische Herausforderungen während des Turniers?

Die größte Herausforderung bestand darin, die Spieler bei hoher Belastungsdichte (8 Spiele in 12 Tagen) und am Ende einer langen Saison fit zu halten. Da einige Spieler bereits mit Blessuren ins Turnier starteten, war eine genaue Beobachtung erforderlich, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Da wir uns nicht auf die medizinische Versorgung vor Ort verlassen wollten, waren wir für sehr viele Eventualitäten vorbereitet, dementsprechend umfangreich war auch die medizinische Ausstattung. 

Inwiefern profitieren Sie bei dieser Arbeit von Ihrer Erfahrung in unserer Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie?

Die gute, breitgefächerte Ausbildung und das breite Portfolio, welches wir in der Orthopädie und Unfallchirurgie anbieten, helfen beim schnellen diagnostizieren, bei der gezielten Therapie und beim richtigen Einsatz von modernsten, wissenschaftlich fundierten Behandlungskonzepten. Gleichzeitig fließen die Erkenntnisse aus dem Spitzensport in meinen klinischen Alltag zurück, insbesondere im Bereich Prävention und Rehabilitation.  

Was können wir im Klinikalltag vom Spitzensport lernen, zum Beispiel in Bezug auf Prävention und Regeneration?

Von der Arbeit mit Leistungssportlern können wir im Alltag viel lernen. Vor allem, wie wichtig individuelle Prävention und konsequente Regeneration ist und hierbei der innere Schweinehund überwunden werden muss, um das Maximale aus sich rauszuholen. Diese Prinzipien lassen sich sehr gut auf unsere Patienten übertragen. Als Chirurgen sind wir nur ein kleines Puzzleteil das zur Genesung beiträgt. Den größeren Teil müssen die Patienten selbst leisten und sich hierbei selbst motivieren.   

Und ganz persönlich: Haben Sie mitgefeiert – und wie war das Gefühl, plötzlich „Weltmeisterarzt“ zu sein?

Natürlich. Die Jungs sind einem in den letzten zwei Jahren ans Herz gewachsen. Nach dem Finale war da erstmal große Erleichterung und Freude. Im Anschluss dann Stolz und Dankbarkeit.